Lea versteckt sich

November 26, 2007 um 7:34 pm | Veröffentlicht in Werbung | 1 Kommentar
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Aidshilfe Schweiz

Was Anzeige für die Aidshilfe Schweiz zum Welt-Aids-Tag 2007

Wo Neue Zürcher Zeitung vom 26.11.2007

Wer Aidshilfe Schweiz (Auftrag), Lea (Protagonistin), Spillmann Felser Leo Burnett (Agentur)

Kritik Ein graues Sandsteingebäude, davor graue, glatte, rechteckige Granitplatten. In der Mitte des Bildes eine metallene Plakatstelle, ebenfalls grau, mit einem mehrheitlich weissen Plakat. Dahinter halb verborgen ein Mädchen. Das Mädchen trägt herbstliche Farben, eine dunkle (nicht schwarze) Strumpfhose und als Schuhe eine Chucks-Kopie. Schaut man genau hin, haben die Schuhe innen eine merkwürdig abgetretene, bräunliche Sohle. Ein Photoshop-Artefakt? Das Plakat informiert uns, das Mädchen heisse Lea (laut Bundesamt für Statistik einer der beliebtesten Vornamen des letzten Jahrzehnts). Nimmt man die Art der Kleidung als Mass, würde man Lea auf 12, 13 schätzen. Die Postur lässt eher auf eine Frau um die 20 schliessen. Lea versteckt sich, sagt uns das Plakat, und zwar nicht aus Spass, sondern aufgrund ihrer Angst vor Diskriminierung. Die kleine rote Schleife und das Kleingedruckte sagen uns, weshalb: „Unterstützen Sie unseren Kampf gegen Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen“. Die von Kaugummiresten abgesehen sehr saubere, leicht klinische Umgebung und das klare, helle Erscheinungsbild suggerieren auf den ersten Blick, ein Teil der Aids-Problematik sei unter Kontrolle, die Thematik an sich sei sauberer geworden. An den Betrachter der Anzeige wird auch nicht wie in früheren Kampagnen appelliert, durch Schutzmassnahmen oder gezielte Betreuung von Betroffenen zu helfen, sondern eher vage durch Unterstützung von Massnahmen gegen Ausgrenzung. Wie diese aussehen und wer davon profitiert bleibt unklar. Die Anzeige funktioniert trotzdem, mutiert doch vor dem Hintergrund der Ausgrenzung (welche ich an dieser Stelle nicht hinterfragen möchte) die vordergründig positive Umgebung zu einer sauber geleckten, exponierenden Leere, voller imaginärer Zeigefinger, in welcher man in einer Schwächeposition keinen Schutz oder Halt finden kann. Es ist unmöglich, sich aus dem anonymisierenden Versteck der Plakatstelle wegzubewegen, ohne sich dem Blick des Betrachters auszusetzen, welcher mangels anderer optischer Haltepunkte auf jeden Fall auf einen gerichtet sein wird. Ein starkes Bild.

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1 Kommentar

  1. Zwar teile ich die Meinung über die Wirkung des extrem gesäuberten Hintergrundes, dennoch bin ich der Meinung, das diese Anzeige zu inszeniert und gephotoshopt wirkt. Ich sehe darin die Gefahr das es zu irreal wirkt und damit den Betrachter nicht mehr tangiert. Frei nach dem Motto: „Ist ja eh alles Fake, was geht es mich an.“ Wenn ich auf eine reale Problematik hinweisen will, sollte ich dies auch mit einer real wirkenden Bildsprache tun.


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